Kant: AA X, Briefwechsel 1782 , Seite 301

     
           
 

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Text (Kant):

 

 

 

 
  01 dauerten biß 1615, in welchem Iahr d. 21. oct., der Hertzog Friedrich      
  02 sich mit der Stadt Riga vergliche. Um nicht in meinem schon zu      
  03 langen Brief noch weitläuffiger zu werden, verweise ich Ew. HochEdelgeb:      
  04 auf des HEn Geheime Rath v. Ziegenhorn Curländisches Staats=Recht      
  05 deßselben Beylagen sub no: 90 und no. 100. Erstere ist eine Protestation      
  06 der Stadt Riga und letztere ist der Vertrag, deßen in der Rußischen Ukase      
  07 erwehnet wird. In eben diesen Vertrag, der fürnehmlich die Streitigkeiten      
  08 wegen des Dwina Flußes zum Gegenstand hatte und durch      
  09 selbige veranlaßet worden befindet sich unter mehreren außer dem      
  10 Dwina Fluß betreffenden Angelegenheiten auch folgender Satz      
           
  11 "Und weil über I. I. F. F. G. G. Portus, Windau et      
  12 "Liebau längst dem Strande etliche von Adel sich unterstanden      
  13 "neüe Portus zu eröfnen, welche auch dem Königl. Portorio nachtheilig      
  14 und abbrüchig seyn; Als haben I. I. F. F. D. D. mit      
  15 "der Stadt Riga sich vereiniget, sich bey der Königl. Majt. zu      
  16 "bemühen, damit solch ein verfänglich Ein= und Ausschiffen abgeschaffet      
  17 werden möge; Immaßen I. I. F. F. G. G. auch      
  18 "sonst langes Strandes keine Abschiffung ferner zu laßen, und      
  19 "darzu die Schutten, soviel deren vorhanden, bei den Bauren      
  20 "nicht weiter gedulden, auch in geregten ihren Häfen Sommer      
  21 "Korn und andere Victualien hinführo abzuschiffen nicht      
  22 "gestatten wollen. etc.      
           
  23 Diesen letzten passum, den ich unterstrichen habe, haben einige      
  24 dahin zu deüten gesucht, daß in ganz Curland alles Sommer Getreyde      
  25 nach denen Häfen Liebau uud Windau nicht verführet werden darff,      
  26 sondern von Riga aus verschiffet werden müßte, und sich hinter das      
  27 Commercien Collegium in Petersburg gestekt, um die Stadt Riga bei      
  28 Aufrechtha[l]tung des erwehnten Vertrags zu schützen.      
           
  29 Wenn man aber in Erwegung ziehet, daß die Abfurth auf der      
  30 Dwina die HauptVeranlaßung zu dem Vertrag gegeben hat und in      
  31 Ansehung des Handels auf diesen Fluß, dem Hertzog von Curland,      
  32 nachdem er sich des juris navigandi, importandi et exportandi merces      
  33 auf diesen Strohm begeben hat, verstattet wird 200 Last Korn zoll      
  34 frey einzuführen, so scheint schon die bestimmte Zahl mehr eine Einschränkung      
  35 zu seyn, daß nicht mehr Korn in die Stadt geführet werden      
  36 soll, und wiederspricht den vermeyntlichen Zwang daß alles nach Riga      
           
     

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