Kant: AA I, Gedanken von der wahren ... , Seite 055

     
           
 

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  01 vorbringen. Denn sie müssen entweder bekennen: daß alle Beweise,      
  02 darin sie bis daher einig gewesen, den Grund von den Bewegungen      
  03 zu geben, welche in dem Stoße elastischer Körper entspringen, falsch      
  04 gewesen; oder sie müssen gestehen: daß ein solcher Körper allein mit      
  05 der der Masse und Geschwindigkeit schlechthin zusammengenommen proportionirten      
  06 Kraft die Bewegungen hervor gebracht habe, weswegen      
  07 sie ihn das Quadrat der Geschwindigkeit nöthig zu haben glaubten.      
           
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§ 44.
     
           
  09 Ich werde durch den Streit der Frau Marquisin Der Frau von    
  10 von Chastelet mit dem Herrn von Mairan überführt, Chastelet    
  11 daß es nicht überflüssig gewesen sei, jetzt eine ausführliche ist diese Auflösung    
  12 Entwickelung der Art und Weise, wie die elastische Körper unbekannt    
  13 durch den Stoß eine größere Quantität der Bewegung in gewesen.    
  14 die Welt bringen, als vor dem Stoß darin gewesen, gegeben zu haben.      
  15 Denn wenn Herr von Mairan sagt: Die elastische Kraft sei eine      
  16 wahre Maschine der Natur etc. etc., daß, wenn man alle Wirkungen      
  17 des Stoßes elastischer Körper besonders betrachten      
  18 will, indem man dasjenige als positiv summirt, was sie in      
  19 den beiden entgegen gesetzten Richtungen geben, man die      
  20 neue Kraft, die daraus in der Natur zu entspringen scheint      
  21 und sich durch den Stoß äußert, keinesweges der Thätigkeit      
  22 des stoßenden Körpers zuschreiben müsse, als wenn er dieselbe      
  23 nur in den gestoßenen übertrüge, sondern einer      
  24 fremden Quelle der Kraft etc. etc., mit einem Worte, einer gewissen      
  25 physikalischen Ursache der Elasticität, welche es auch      
  26 immer sei, deren Wirksamkeit der Stoß nur losgemacht und      
  27 so zu sagen die Feder abgedrückt hat etc. etc. - ich sage, wenn      
  28 Herr von Mairan dieses sagt, so antwortet ihm die Frau von Chastelet:      
  29 es sei unnütze es zu untersuchen, bis der Urheber dieser      
  30 Meinung sich die Mühe genommen, dasjenige, was er hier      
  31 behaupten wollen, auf einigen Beweis zu gründen. Ich habe      
  32 mir die Ehre genommen mich dieser Mühe an statt des Herrn von      
  33 Mairan zu unterziehen, und dieses ist die Rechtfertigung, womit ich      
  34 meine Weitläuftigkeit in dieser Materie entschuldige.      
           
           
     

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