Kant: Briefwechsel, Brief 403, Von Iohann Heinrich Wlömer.

     
           
 

 

 

 

 

 
  Von Iohann Heinrich Wlömer.      
           
  30. Ian. 1790.      
           
  Liebster Bruder,      
  So was muß es seyn, gutes zu befördern, wenn ich einen Brief      
  von Dir erhalten soll. Ich habe dem Ueberbringer desselben, einem      
  feinen jungen Mann, mündlich gesagt, wie sein Bruder die Vorstellung      
  um ein Buchhändler Privilegium einrichten soll. Die Gründe sind      
  dieselben, die Du angeführet hast, Erlernung des Buchhandels, zureichendes      
  Vermögen, mehrere sonst in Königsberg gewesene Buchhandlungen,      
  die jetzt biß auf eine eintzige eingegangen sind, wodurch die      
  dortigen Schriftsteller genötigt sind, auswärtige Verleger zu suchen,      
  z. B. Kant, u. das große Feld von Pohlen, Rußland etc. welches bey      
  dem jetzigen Industrielosen Monopol, nicht wie es könte u. müste, mit      
  diesem Handel benutzet wird. Die Vorstellung ist an den Bruder zu      
  schicken, damit derselbe mich von der Uebergabe benachrichtigen, u. ich      
           
  meine Aufmerksamkeit anwenden könne, den Zwek auf dem kürtzesten      
  Wege zu befördern. Denn ich halte dieses für Pflicht, weil es an sich      
  gut ist, wenn auch Deine Vorsprache mir nicht ein eben so angenehmer      
  Imperativ wäre. Ich zweifle auch gar nicht an der Gewährung des      
  Privilegii.      
           
  Vor einigen Tagen ist Dein Brief an Maimon in der Dir bekanten      
  Gesellschaft, von welcher ich ein Mitglied bin, verlesen worden,      
  u. hat unsere Unterhaltung ausgemacht. Ihr Leute geht sehr scharf      
  u. tief. Daß Du doch Leben und Kräfte behalten mögest, Deinen      
  Plan gantz zu vollenden, u. alsdenn diese große Sache mit Deinen      
  Gegnern, versteht sich, mit denen die es verdienen, zu berichtigen.      
  Von Deinen Schriften besitze ich nur die: Vom Erhabenen u. Schönen,      
  die Critic etc. und was dem gefolgt, nichts aber von dem vorhergehenden,      
  ich weiß auch nicht, was Du vorher alles, besonders an kleinen Abhandlungen      
  geschrieben hast. Alles dieses, oder, wenn es noch zu haben      
  ist, das Verzeichniß davon wünsche ich um es anschaffen zu können u.      
  zu lesen.      
           
  Meine Empfehlung an D. Trummer u. alle unsere Freunde, die      
  sich meiner gütig erinnern. Ich bin u. bleibe ewig      
           
    gantz der Deinige      
  Berlin den 30 Ianr. 90. Wloemer.      
           
           
           
     

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