Kant: AA XVIII, Metaphysik Zweiter Theil , Seite 069

     
           
 

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  01 zu haben, die ich zugleich vollendet habe. Denn ich bin nicht der Meinung      
  02 eines vortrefflichen Mannes, der da empfiehlt ein, wenn man einmal sich      
  03 wovon überzeugt hat, daran nachher nicht mehr zu zweifeln. In der reinen      
  04 philosophie geht das nicht. Selbst hat der Verstand auch schon einen      
  05 natürlichen wiederwillen dagegen. Man muß eben die sätze in allerley      
  06 Anwendungen erwägen und selbst von diesen einen besonderen Beweis      
  07 entlehnen, das Gegentheil versuchen anzunehmen und so lange Aufschub      
  08 nehmen, bis die Warheit von allen Seiten einleuchtet.      
           
  09 Ich habe iederzeit vor Augen gehabt, daß ich nur die transscendentale      
  10 philosophie zu bearbeiten hatte, daß die Grentze einer ieden Wissenschaft      
  11 genau beobachtet werden müsse und daß die Vermengung nur dazu      
  12 diene, Belndwerke zu machen. aber eben dadurch habe ich vieles verlohren,      
  13 was der Schrift zur Empfehlung hätte dienen können.      
           
   

 

5037.   φ.   M XXXVI.   E II 55. 4.
 
     
  15 Wenn ich nur ver so viel erreiche, daß ich überzeuge, man müsse die      
  16 Bearbeitung dieser Wissenschaft so lange aussetzen, bis man diesen Punkt      
  17 ausgemacht hat, so hat diese Schrift ihren Zweck erreicht.      
           
  18 Ich sahe anfenglich diesen Lehrbegrif wie in einer Dämmerung. Ich      
  19 versuchte es gantz ernstlich, Satze zu beweisen und ihr Gegentheil, nicht      
  20 um eine Zweifellehre zu errichten, sondern weil ich eine illusion des Verstandes      
  21 vermuthete, zu entd(cken, worin sie stäke. Das Jahr 69 gab mir      
  22 großes Licht.      
           
   

 

5038.   φ1.   M XXXVI.
 
     
  24 In Metaphysicis gilt fictio nicht als probatoria, sondern als suppletoria      
     

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