Kant: AA XI, Briefwechsel 1790 , Seite 164

     
           
 

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  01 zu fordern gehindert hat. Herr Salemann gehört unter      
  02 die Wenigen, die den akademischen Lehrer für die Vielen an denen sie      
  03 gewöhnlich ihre Mühe verlieren, reichlich schadlos halten. Es dürfte      
  04 wohl noch nicht viele Philosophen von Profession geben, die diese neun      
  05 Iahre her in den Geist der kritischen Philosophie so tief eingedrungen      
  06 haben, als dieser junge Denker in einem halben Iahre, wie ich durch      
  07 vielfältige zuverlässige Proben weiß.      
           
  08 Mit Sehnsucht sehe ich der Kritik der Beurtheilungskraft und      
  09 der Schrift gegen Eberhard entgegen, und freue mich an der Moralphilosophie      
  10 unsres Adjunktes Schmid und der Ästhetik des Prof.      
  11 Heydenreichs in Leipzig zwey trefliche neue Produkte der kritischen      
  12 Philosophie erlebt zu haben, da leider die gute Sache derselben nicht      
  13 immer durch die besten Hände geführt wird, und die Abichte Borne      
  14 u.d.g. besser gethan hätten, wenn sie noch ein paar Iahre im Stillen      
  15 sich mit dem Geiste der krit. Philosophie vertraut zu machen gesucht      
  16 hätten.      
           
  17 Mit tiefster Verehrung und innigster Liebe      
           
  18 Iena den 30 April. 790        
  19   Ihr ganz eigener      
  20   Reinhold      
           
           
    425.      
  22 Von Iohann Gottfried Carl Christian Kiesewetter.      
           
  23 Berlin den . . . Mai 1790.      
           
  24 Da ich vermuthe, daß Herr Nicolowius bald von Leipzig hier      
  25 eintreffen und gütigst einen Brief von mir an Sie besorgen wird, so      
  26 will ich nur immer, weil ich jetzt einige Zeit übrig habe, denselben zu      
  27 schreiben anfangen. Zuerst muß ich Ihnen meinen besten Dank für      
  28 das Exemplar Ihrer Critik d. U[rtheilskraft], das ich auf Ihren Befehl      
  29 aus HE. la Gardes Händen erhielt, abstatten; es ist mir dis ein      
  30 neuer angenehmer Beweis, daß Sie mich Ihrer Liebe nicht ganz unwerth      
  31 halten. HE. la Garde ist mit dem Absatz der Schrift sehr zufrieden,      
  32 und hoft künftige Ostern eine neue Auflage zu veranstalten.      
  33 Auch füge ich ein Exemplar meiner kleinen Schrift über das Moralprinzip      
  34 bei, mit der Bitte, daß Sie die Freundschaft haben möchten      
  35 es gelegentlich durchzulesen; vielleicht dürfte ich dann hoffen, daß Sie      
           
     

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